Luther

Seit dem 30. Oktober läuft der Film „Luther“ in deutschen Kinos. Gekonnt wurden dramatische wie romantische Szenen verbunden mit dem theologischen Streit Luthers und Papst Leo X. Ein Film nicht nur für Konfirmanden-Gruppen und Luther-Kenner. Doch was war eigentlich so herausragend an diesem Mann, dass nun nach fünf Jahrhunderten immer noch von ihm geredet wird und dass der nach ihm benannte Film den Untertitel trägt „er veränderte die Welt für immer“?

Versetzen wir uns einmal zurück ins frühe 16. Jahrhundert. In Wittenberg fordert ein deutsches Mönchlein die katholische Weltkirche heraus und beruft sich dabei auf die Bibel. Schwere Tage für Papst Leo X. (im Film gespielt von Uwe Ochsenknecht), der vor allem am Neubau des Petersdoms interessiert ist und dafür dringend Geld braucht. Er engagiert den Ablaßhändler Johann Tetzel, der den Menschen mit Geld einen Platz im Himmel garantiert und zudem verspricht, mit ein paar Münzen die verstorbenen Verwandten von der Strafe und den Schmerzen des Fegefeuers zu befreien. Und der Mönch, der kleine, armselige Mönch Martin Luther, steht schließlich aufrecht und furchtlos vor der Majestät des Kaisers, trotzt aller Gewalt und Macht und schleudert dem Kaiser unerschrocken sein Bekenntnis entgegen: „Ich bin überwunden durch die heiligen Schriften und mein Gewissen ist gefangen in Gottes Wort. Widerrufen kann ich und will ich nicht! Gott helfe mir, Amen!“ Luther entdeckt durch das Lesen des Römerbriefes, dass der dort beschriebene Gott in seinem Wesen gnädig ist und dass man sich ihm durch Glauben nahen kann, aber niemals durch gute Werke. Diese Erkenntnis macht ihn zu einem Helden bis in unsere Tage, weil er aufdeckte, dass die Bibel uns direkt den Weg zu Gott zeigen kann ohne Umweg über die Kirche. Auch bildet seine mutige Auflehnung gegen Papst und Kirche das Fundament unserer modernen freiheitlich-demokratischen Grundordnung, denn die Bibel betont die eigene Freiheit und Verantwortung eines jeglichen Menschen vor Gott. Eine weiter Leistung Luthers ist übrigens die Erfindung einer einheitlichen deutschen Sprache, die er für die deutsche Bibelübersetzung brauchte, vorher gab es viele verschiedene deutsche Dialekte.

Um Luthers Entwicklung zu veranschaulichen, wurden einige fiktive Episoden in den Film aufgenommen. In Wittenburg erhängt sich der Sohn eines Maurers. Luther hebt das Grab des Selbstmörders aus und wagt es, ihn auf dem Friedhof zu bestatten. Das Volk steht am Friedhofstor und staunt über den ungewöhnlichen Priester. Diese Szene soll Luthers „Turmerlebnis“ veranschaulichen: Luther gelangt zu der rettenden Einsicht, dass Gott barmherzig ist. In Wirklichkeit entwickelte Luther diesen Gedanken durch wochenlanges Studium des Römerbriefes in seiner Zelle im schwarzen Kloster zu Wittenberg.
Luther erscheint keineswegs nur als Vorbild. Die Bauern verstehen seine Worte als Aufruf zum Aufstand, die Fürsten schlagen zurück, und Luther erlebt erschüttert die Gemetzel während des Bauernkrieges, bei dem bis zu 100.000 Menschen sterben. „Ich habe Blut an den Händen, ich treibe Keile zwischen die Menschen“, sagt er voller Verzweiflung.

Möge der Film dazu dienen sich auch in unserer Zeit zurückzubesinnen auf die Worte in den Heiligen Schriften, die Luther als neuen Schatz wiederentdeckte. Seit es die Bibel gibt, hat sie immer wieder zu außergewöhnlichen Taten angeregt, weil zunächst die Herzen der Menschen durch die Gnade und Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes bewegt wurden. Auch bei Luther war es so. Seine Frage war: „Wie verdiene ich einen gnädigen Gott?“ - das ist der armselige Mensch, der seine Ohnmacht fühlt gegenüber dem unfassbar großen, verborgenen Gott, der kleine, armselige Mensch, der sich niedergeschmettert sieht vor dem Zorn Gottes und der dennoch immer wieder aufs neue seine Hände zu diesem Gott aufreckt und betet. Gott offenbarte sich ihm durch das Lesen der Bibel: Gott hat seinen eigenen Sohn auf die Erde geschickt und hat es zugelassen, dass er ermordet wurde. Damit hat er für die unzählbaren Sünden der Menschen ein für allemal bezahlt. Luther erkannte, dass es dem Glaubenden möglich ist dieses Gnadengeschenk anzunehmen.

Lies doch du auch mal wieder in der Bibel, sie hat die Kraft herausragende Persönlichkeiten hervorzurufen.


Quelle: www.soulsaver.de


www.andre-bauer.de